Das „Social Web“

Das Internet hat sich anders entwickelt, als man es sich vorgestellt hat. Ursprünglich als Netz einer kleinen Klientel von Wissenschaftlern und Militärs vorbehalten ist das Internet ein weltumspannendes, Klassen übergreifendes Netz geworden, in dem sich kleine Kinder ebenso zurecht finden, wie neugierige Menschen älteren Semesters.

Das Netz ist sozial – Soziale Netzwerke

In der Menschengeschichte gab es nie zuvor einen Moment, in dem die Art wie wir kommunizieren sich so grundlegend geändert hat. Die Entwicklung unserer Schriftsprache hat Jahrtausende gedauert, vom ersten Strich mit einem Stück Kohle an einer Felswand, bis hin zu den ersten prosaischen Aufzeichnungen wie etwa dem Gilgamesch-Epos. Auch unsere Lautsprache hat sich über Generationen und Menschheitsalter entwickelt.

Sicher, wir sind innerhalb von zwei Jahrzehnten von festen Telefonanschlüssen mit hässlichen grauen Kästchen zu mobilen Telefonen gekommen, die den Kommunikator von James T. Kirk alt aussehen lassen.

Aber der Mobilfunk, so veränderlich er auch auf unseren Alltag gewirkt hat, ist ein kleiner Eingriff, im Gegensatz zu dem, was uns das soziale Internet bringt und noch bringen wird.

Der große Umbruch

Ob alt, ob jung, die Veränderung macht vor Niemandem halt. Alte Herren posten Videos von sich, in denen sie von ihren Kriegserlebnissen berichten. Beamte im öffentlichen Dienst arbeiten noch weniger als früher, da sie bei sozialen Onlinegames Felder bestellen müssen.

Die Grundlagen der Technik sind Ihnen in den meisten Fällen nicht bekannt und sie müssen auch nicht wissen, wie die Dienste funktionieren, die sie nutzen. Ganz im Gegenteil, das ist gar nicht gewünscht.

Der Trend geht hin zur größtmöglichen Distanz von der Technik. Vom raumfüllenden Z1 zum Tablet-PC in der Hand eines Kleinkinds war es nur ein kleiner Schritt.

Um noch einmal zum Mobilfunk zu kommen, schaut man sich die technische Entwicklung in Ländern der „Dritten Welt“ an, stellt man fest, das hier die technische Entwicklung nicht nachvollzogen wird. Sie wird übersprungen. In Schwarzafrika hat man meist kein fließendes, sauberes Wasser, häufig keine ausreichende Nahrungsversorgung, aber dafür sieht man viele Menschen mit einem Mobiltelefon am Ohr. Wer kein eigenes hat, kann an jeder Straßenecke ein Schild sehen, das einem ein Leihgerät anbietet.

Grenzen verschwinden, werden künstlich hochgehalten, aber der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten.

Die Welt wird kleiner.

Jeder wird zum Sender

Staatliche Meinungsmacher in Ländern mit rückständigen Systemen wie China, Neuseeland und Deutschland sehen sich mit einer neuen, noch kaum bekannten Bedrohung konfrontiert.

Anstatt nur zu konsumieren und sich mit vorverdauten Nachrichten abspeisen zu lassen, werden heute viele Bürger selbst zu einem Teil der Nachrichtenlandschaft und große Institutionen geraten ins Hintertreffen.

Jeder Nutzer ist Konsument, sehr viele sind aber auch Produzenten. Sie senden Millionen Statusberichte aus Krisenherden in aller Welt, geben in Echtzeit Auskunft über Ausschreitungen und filmen mit ihren Mobiltelefonen zeitgeschichtliche Dokumente von einer Brisanz, wie man sie auf einem Portal für Katzenvideos nicht vermutet hätte.

Ein solch demokratisches Werkzeug ist eine Bedrohung für die totalitären Regime, die Lügner und Verführer.

Das man mit sozialen Netzwerken Schnäppchen beim Technikkauf machen kann, wirkt daneben geradezu lächerlich unbedeutend.

Anbieter wir Groupon (ein Kunstwort aus Group und Coupon) vertreiben Wertgutscheine für Dienste und Leistungen aller Art, vom Saunabad bis zum Fallschirmsprung. Durch die soziale Interaktion, durch das Werben in sozialen Netzwerken können Kunden begeistert und gewonnen werden. Man setzt hier auf eine der ältesten und wirksamsten Werbemaßnahmen: Mundpropaganda

Der Nutzer, der eigentlich nur Freundschaftspflege betreiben möchte, wird so instrumentalisiert und lässt das mit sich machen, da er 30 Prozent auf einen Kaffeeautomaten bekommt.

Durch unseren kulturellen Fortschritt sind viele Menschen überflüssig für den reibungslosen Ablauf des Systems geworden, nicht wenige ziehen es vor gar nicht zu Arbeiten. Und warum sollten sie das auch noch?

Automation und Technisierung sorgen dafür, das wir eigentlich schon heute keine Zugführer, zum Beispiel, mehr benötigen. Würden wir den Nahverkehr in Deutschland automatisieren, wie es in Japan schon geschehen ist, käme es höchstwahrscheinlich zu weniger Ausfällen. In vielen Supermärkten werden heute Selbstbedienungskassen getestet oder gar bereits voll eingesetzt. Der Beruf der Kassiererin ist am Aussterben und fragen sie mal eine Kassiererin, was die davon hält. Artikel den lieben langen Tag über einen Scanner ziehen ist nicht wirklich reizvoll. Wirtschaftlicher wäre es all die Menschen, die wir solche eintönigen, monotonen Arbeiten schuften lassen, was eine Maschine besser machen würde, bei einer Mindestversorgung nach Hause zu schicken, dass sie dort konsumieren können, ihre Zeit totschlagen können und die Wirtschaft am Laufen halten. Prokrastination ist das Schlagwort.

Ein Bürger der sich seine Zeit auf einem sozialen Netzwerk vertreibt nimmt in kurzer Zeit ähnlich viel Werbung auf, als würde er einen Privatfernsehsender schauen. In wieweit er sich davon nun bei seinem Kaufverhalten beeinflussen lässt, sei mal dahingestellt.

Das Wissen der Welt

Alles Wissen der Welt wird im Netz frei verfügbar. Es dürfte wohl an niemandem vorbeigegangen sein, wenn YouTube auch am meisten unterhält, Wikipedia – der Vorreiter der sozialen Medien – hat die zivilisatorisch größte Auswirkung.

Umfangreicher als jedes jemals gedruckte Lexikon, immer auf dem neuesten Stand und dabei unabhängig von Politik oder wirtschaftlichen Interessen.

Wikipedia wird von einem festen Kern an Enthusiasten gepflegt und vorangetrieben. Aber kleine Änderungen kann jeder vornehmen. Das gesamte Wissen der Menschheit könnte so den Weg in die Schrift finden. Wer einen Fehler findet, korrigiert ihn.

Wenn Uneinigkeit besteht wird diskutiert.

Jeder Nutzer ist ein Teilhaber am Wissensschatz und eine Bereicherung. Viele Artikel sind noch nicht geschrieben, viele Verknüpfungen gehen ins Leere. Wer etwas weiß, darf sich mitteilen. Wer Mist baut fliegt.

Das Internet ist direkt und die Menschen in ihm machen Fehler. Es ist nicht perfekt, aber es wird mit jedem Moment besser.

Stop Online Piracy Act

Heute, wo ich diesen Text verfasse, sind manche amerikanischen Websites gesperrt, eine stille Protestbewegung gegen die neue Zensurinfrastruktur, die die amerikanische Regierung aufbauen möchte.

Unter dem Vorwand Internetpiraterie unterbinden zu wollen, baut man an einer Firewall die ungeliebte Seiten und Dienste ausschließt. Wissen ist gefährlich für die Mächtigen. Die katholische Kirche hat Jahrhunderte versucht die Bevölkerung dumm zu halten und wollte partout nicht, das die heiligen Worte ins Deutsche übersetzt wurden. Dumm halten, klein halten. Kontrolle.

Der Überwachungsstaat a la Orwell ist schon lange da. Ob eine Three-Strike-Politik oder die elektronische Gesundheitskarte.

Der letzte Schritt zum gläsernen Bürger ist ohnehin schon bald gemacht. Der neue Zensus hat heute keinen mehr aufgeregt. Volkszählung, das war früher mal ein Grund einen Krieg vom Zaun zu brechen. Heute konsumieren wir viel lieber. Wozu noch aufregen?

Gläserne Kunden sind wir ohnehin schon lange.

Was weiß Facebook nicht von Ihnen?

Oder sind sie einer der Glücklichen, die sich niemals auf ein soziales Netzwerk begeben haben?

Selbst dann wird Facebook vielleicht ihr Gesicht und ihren Namen kennen und wissen, mit wem sie wann verkehren und wieviel sie wovon getrunken haben.

Ein unbedachtes Foto eines Kollegen auf der Weihnachtsfeier, die Sekretärin trägt am Tag darauf die Namen brav ein und erlaubt so eine Verknüpfung von Gesicht und Identität – voila!

Ob Facebook oder Google Plus, für die Betreiber dieser Plattformen steht natürlich das wirtschaftliche Interesse im Vordergrund. Die Datensätze des Nutzers, der sich selbst viel öfter als Kunde und eben als Datensatz verstehen sollte, sind bares Geld wert.

Wenn man weiß, was sie gerne konsumieren, kann man ihnen das anbieten, kann ihnen das Geld aus der Tasche ziehen und sie finden es auch noch toll.

Der Nutzen den man als Nutzer hat, steht für einen selbst im Vordergrund: Ich kann mich exhibitionieren, mein Innerstes nach außen kehren und bekomme dafür ein paar Likes von Leuten, die ich nicht kenne, die mich in der Disse mal angerempelt haben und krampfhaft „Freunde“ suchen und sammeln.

Es ist nicht alles schlecht, was auf diesem Weg entsteht.

Ein nicht zu unterschätzendes Phänomen stellt auch das Crowd Sourcing da, das sich nicht selten zunächst aus sozialen Netzwerken geriert.

Menschen, die Ideen haben und diese verwirklichen wollen sind fast immer die, die es sich nicht leisten können ihre Idee in einem großen Maßstab umzusetzen. Immer war man von Mäzen, Unternehmen abhängig und eben genau das abhängig.

Jeder kann heute Kreative unterstützen und sich zudem einen kleinen Teil des Kuchens sichern, indem er einen kleinen Betrag in ein interessantes Projekt investiert und dafür dann Ware, Merchandising oder auch nur eine Danksagung erhält.

Spenden wird hier nicht zum reinen Selbstzweck, zur Beruhigung des Gewissens oder weil man ein Gutmensch ist, bei erfolgreicher Umsetzung bekommt der zahlende Unterstützer einen richtigen Gegenwert und wenn nicht, verliert er nicht einmal Geld. Eine Win-Win-Situation.

Die Türen sind weit aufgestoßen.

Eines der populärsten crowd-finanzierten Projekte ist die freie und dezentrale Facebook-Alternative Diaspora, die sich anschickt den populären, gewinnorientierten sozialen Netzen Nutzer abspenstig zu machen.

Der Mensch möchte frei sein, er mag keine Fesseln und Grenzen, die ihn einengen. Jedes restriktive und beschneidende System fällt früher oder später. Sieht man sich die Weltgeschichte an, mit ihren Diktatoren und wie schnell die Bevölkerung sich dieser entledigt, sobald eine Alternative in Sicht ist, die verlockend scheint, kann man zu keinem anderen Schluss kommen.

Facebook wird kaputt gehen. Die Nutzer werden sich seltener anmelden und was eben noch Milliarden wert war, ist bald ein Klotz am Bein und eventuell kauft es Rupert Murdoch noch, der versteht sowieso nichts.

Diaspora wird nicht das Ende sein.

Soziale Netze gebären ein soziales Netz, das weiter entwickelt ist. Evolution.

Da schließt sich der Kreis.

Alles wird gut.

Keine Fraktur

Ich hatte einen kleinen Arbeitsunfall, ich habe versucht mit meinem Schädel die Wand einzureißen. Schwindelgefühl, ich hatte ein Problem mit dem Gleichgewichtssinn und sogar Konzentrationsschwierigkeiten, ganz zu schweigen davon, dass ich heute 12 Stunden geschlafen habe. Keine Fraktur, soweit so gut.

Kurzgeschichte: Die Prärie war wie immer

Er kannte nichts anderes als die trockene, staubige Wüste. Die Hitze flirrte. Nichts lebte unter der Sonne, die so unbarmherzig brannte. Der Sand war glühend heiß. Das Geröll zerbarst in dem gleißenden Schein der Sonne. Sein Pferd, der einzige Freund den er hatte, so zuverlässig und vertraut, setzte seine Hufe nur kurz auf. Er sprang von einem Bein auf das andere und der Boden, festgebacken und steintrocken, bröselte unter den Hufen seines Pferdes. Sein Pferd hatte keinen Namen und auch er hatte keinen. Er hatte ihn abgelegt.

Sie ritten an einem Kadaver vorbei, das Tier war vor Ewigkeiten verendet. Es war einfach vertrocknet, das junge Kalb. Welch Verschwendung, nicht mal die Aasfresser wollten es haben. Er strich seinem Pferd beruhigend über den Hals. Es hatte die Anwesenheit der armen Seele gespürt. Tote Tiere ließen es immer verunsichert werden. Bei toten Menschen war das nie so. Es war ein seltsamer Gedanke, dass das Pferd seine tierischen Zeitgenossen mehr schätzte, als seine menschlichen.

Aber, wenn er genauer darüber nachdachte, es war doch eigentlich verständlich.

Der Mann hatte viel Zeit nachzudenken. Er hustete und spuckte aus. Es war nicht viel Speichel, er war viel zu Trocken, um Speichel zu produzieren. Er hatte seit einem Tag nichts getrunken, weil er kein Wasser mehr hatte. Die nächste Stadt war noch Meilenweit weg. Vielleicht würde er ja sterben. Verdursten, wie schon viele vor ihm. Aber daran glaubte er nicht. Er konnte es sich nicht vorstellen. An diesem Punkt war er schon öfter gewesen. Und bisher hatte er immer überlebt. Nichts hatte sich seitdem verändert. Die Prärie war noch wie früher. Er war ein bisschen älter, genauso wie sein Pferd. Aber die Prärie war wie immer. Sie war heiß, unbarmherzig und lebendig. Sie sah nicht so aus, aber sie lebte. Die Wüste lebte. Unter den Hufen seines Pferdes lebten Wesen, die sich niemals zeigten. Er wusste, dass sie da sind.

Denn er war bei ihnen gewesen. Seine Kehle brannte. Doch er wollte durchhalten. Er hatte sich aus diesem Loch frei gescharrt. Sie hatten ihn im Sand vergraben. Gerade, als er wieder daran dachte, dass er kein Wasser hatte, dass er vielleicht sterben würde, fiel ihm ein, dass er gar nicht mehr sterben konnte.

Konnten Tote erneut sterben? Er war doch tot gewesen, als sie ihn dort vergraben hatten. Sie hatten ihn getötet und vergraben.

Er war aufgewacht und hatte sein Pferd wiehern gehört. Ein leises Geräusch und es kam von über ihm. Er hörte ein scharrendes Geräusch. Sein Pferd wollte ihn ausgraben. Sie hatten ihn nicht tief vergraben, sie hatten sich keine Mühe mit dem Graben gegeben. Was sein Glück gewesen war.

Diese Geschichte ist schon ein bisschen älter, bin gerade eben in meinem Archiv drauf gestoßen ;-)

12.05.2004

Stand aktueller Projekte

Meine Trilogie hängt noch immer an Teil zwei, ich bin noch immer nicht bereit mich dem letzten Band zu stellen. Teil 1 ist seit zwei Jahren auf dem Markt und Teil 3 seit vier Jahren fertig.

Das Kinderbuch ist mein aktuell wichtigstes Projekt, ich will es noch dieses Jahr fertigstellen, damit meine beiden Partnerinnen bei diesem Projekt sich kommendes Frühjahr um Lektorat und Illustration kümmern können.

Mein zynischer Foto-Reisebericht „Streetart of Indaiatuba“ benötigt noch eine Korrektur und dann werde ich es als erstes Buch über meinen neuen Verlag verlegen.

Noch ist der Name nicht eingetragen, deshalb mache ich ihn hier noch nicht publik, auch wenn ich schon Visitenkarten und die Domain registriert habe. Ich hab es an meinen letzten beiden freien Tagen nicht geschafft mich zum Amtsgericht zu quälen. Ich schlafe zu gerne aus.

Mit all den Ideen die ich habe, bin ich noch einige Jahre gut beschäftigt. Ich muss den Output erhöhen!

Verlag gegründet

Heute habe ich meinen Verlag gegründet. Ich plane da was Großes. Wartet nur ab ;-)

Danke an alle, die mich ermutigt haben, diesen Schritt zu gehen!

Mitakuku fertig durchgeplottet

Zum ersten Mal seit dem Beginn der Arbeiten an dem Roman liegt mir ein fertiger Plot vor, der mich zufrieden stimmt. Es könnten ein paar Actionszenen mehr drin sein, Girl-on-Girl-Action sowieso.

Verdammtnochmal, vielleicht ist es genau das, was ich brauche! Haha, so, jetzt bekommt ihr mal mit, wie ich arbeite. Gerade eben kommt mir der Einfall das Geschlecht einer Hauptfigur zu ändern.

Aus dem italienischen Abteilungsleiter für Mitteleuropa mache ich eine Lesbe. Yeah!

Mehr Action, mehr Spannung, mehr Sex!

Gut, dass ich dem Buch seine drei Jahre Entwicklung bis heute zugestanden habe!

Mitakuku bildet den zweiten Teil meiner Trilogie um den Ex-Fremdenlegionär und Stuntman Jérôme Beaumont. Teil 1 „Kubilabala“ ist seit fast zwei Jahren auf dem Markt. Der dritte Teil „Kimali“ ist bereits fertig, bedarf nur noch einer abschließenden Überarbeitung.

Endlich geht es voran!

Back on track

Ich habe die falsche Abzweigung genommen.

Eine Kuppe, ein Tal, eine Kurve.

Ich schalte hoch, verliere die Bodenhaftung.

Schalte runter.

Aufheulen.

Kreischen.

Staub, Dreck.

Bin zurück in der Spur.

Nicht zurückschauen, das lenkt nur ab.

Gas geben.

 

Kurzgeschichte: Identität

Müllwagenfahrer in Brooklyn. Seine Eltern hatten gehofft, er würde es zu mehr bringen. Er hingegen fand seine Arbeit so schlecht nicht.
Alex Gordio, der die ovich-Endung, die sein Großvater noch im Namen getragen hatte, nie vermisst hatte, war 32 Jahre alt, hatte eine ziemlich heiße Freundin und liebte sein Leben.
Wie sehr wurde ihm bewusst, als ein Mann mit Balaklawa auf seinem Kopf einstieg und ihm einen Schalldämpfer an die Schläfe drückte.
Am Dialekt erkannte er den Mann als Ukrainer. Was für ein Zufall.
„Im letzten Müllcontainer war etwas, das ich verschwinden lassen möchte.“
Alex, ja, eigentlich hieß er ja Oleg, brachte nur ein „Okay“ heraus. Er war noch nie überfallen worden, aber er wusste, was er zu tun hatte.
„Fahr.“, sagte der Mann.
Alex hörte etwas Klicken. An dem Schalldämpfer hing wohl ‘ne Knarre.
In dem Müll war bestimmt ‘ne Leiche, dachte Alex.
Er würde keine Dummheiten machen.
Er sollte fahren? Er würde fahren.
In einem Actionfilm würde er den Typen ganz einfach überwältigen und ihm mit dem Anspannen des Bizeps die Luft abschnüren.
Alex sah so aus, als könnte er das sogar. Aber bei knapp 1,65 Meter Körpergröße war es auch nicht allzu schwer muskulös und kraftvoll zu wirken. Er sah nicht hinüber zu dem Typen.
Alex würde nicht einmal darum bitten, dass er ihm die Waffe vom Kopf nahm.
Dabei hatte der Tag so gut begonnen. Er hatte einen Schichtwechsel vor sich und so lange geschlafen wie seit Monaten nicht. Alex liebte es zu Schlafen oder einfach nur im Bett zu liegen. Manchmal lag er da, dachte nach oder dachte auch mal nichts.
Seine Freundin hatte ihm einen geblasen, dann hatten sie gefrühstückt. Er war entspannt zur Arbeit gefahren, hatte dabei Musik gehört sich umgezogen und seine Route begonnen.
Im Radio hörte er dann von einem Wirtschaftstreffen, das der russische Präsident an der Wallstreet besuchen würde.
Der Mann, der ihm nun drohte, ihn zu erschießen war da gerade aus einer Linienmaschine aus Frankfurt gestiegen. Er hatte ein Allerweltsgesicht, graues Haar, Augen deren Farbe man nicht mit zwei Worten umschreiben konnte. Ihn zu identifizieren wäre für Alex unmöglich gewesen, zumal er ja nur die Augen sah. Tatsächlich gab es aber nicht einmal einen Kieferabdrück, anhand dessen man ihn hätte identifizieren können.
Er war ein namenloser Geist, geschickt um den russischen Präsidenten zu töten, im Auftrag eines außerordentlich mächtigen Oligarchen aus Sankt Petersburg. Kein Baulöwe oder Internetmulti.
Mädchenhändler.
Stand so auf seiner Visitenkarte.
Warum der Präsident nun dran glauben musste, wusste der Auftragsmörder nicht. Gerüchte Gerüchte.
Der Präsident kaufte sich keine Kinder. Er sah nicht aus wie ein Kinderficker und erst recht nicht wie einer, der seine Rechnungen nicht bezahlen konnte. Wahrscheinlicher war doch ein politischer Grund.
Leonid Irgendwas-ov war für den Westen zu konservativ, für die Konservativen im eigenen Lager bei Weitem zu westlich.
Von der Wahl der Autos, die er fuhr über die Anzüge, die er trug.
Sie hassten ihn für sein Oxfordenglisch, für seine modernen Ansichten über Menschenrechte und Vetternwirtschaft.
Wie hatte ein Mann wie er überhaupt zu diesem Amt kommen können?
Alex blendete die Scheinwerfer auf, sie fuhren in den Brooklyn-Battery-Tunnel hinein und er hoffte, auf der anderen Seite wieder lebendig heraus zu kommen.
„Wie weit ist es zur Abladestelle?“, fragte der Maskierte.
„Ich habe meine Route abgebrochen.“, sagte Alex. „Wir fahren direkt zur Verbrennungsanlage.“
„Tatsächlich?“, fragte der Mann, drückte die Waffe fester gegen Alex’ Schläfe. „Du bist sehr gut.“, sagte der Mann. „Eigeninitiative. Du denkst mit. Mach keinen Fehler und du kannst heute deinen zweiten Geburtstag feiern.“
Alex nickte.
Wurde dem nicht langsam mal der Arm schwer?
Alex hatte einen Fehler gemacht!
Er erkannte ihn, als er das Blaulicht sah. Zwei Einsatzwagen kamen ihnen auf den anderen Fahrspuren entgegen.
Sein Mülllaster war mit Ortungsgeräten ausgestattet. Er hatte für eine Anomalie in den Daten gesorgt, weil er zu früh, zu wenig beladen und im falschen Gebiet war. Außerdem fuhr er zu schnell.
Alex versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, noch hatte der Maskierte keinen Grund Verdacht zu schöpfen, trotz entgegenkommender Polizisten. Alex fuhr weiter.
Okay, die Straßenblockade, die jetzt vor ihnen auftauchte, war nicht mehr zu übersehen. Zwei Autos standen quer, versperrten die Weiterfahrt und automatische Maschinengewehre wurden von Polizisten in Schutzkleidung in Anschlag genommen.
Überrascht ließ der ukrainische Auftragsmörder die Pistole sinken.
Da machte Alex einen Kickdown, riss das Lenkrad des schwerfälligen Transporters herum und setzte den Lastwagen frontal gegen die Tunnelwand. Er hatte sich geduckt, der Airbag schoss über ihn hinweg. Alex ließ sich aus der Tür fallen und rannte ohne sich umzusehen vom Truck weg, während die Polizisten das Feuer eröffneten.
Er spürte den Windzug mehrerer Kugeln.
Alex rannte weiter.
Der Maskierte hieb seine Faust auf einen orangen Knopf. Die Müllpresse würde seinen Job zu Ende bringen.
Im Spiegel sah er den Müllmann am Boden liegen.
Alle Viere von sich gestreckt.

(Diese Kurzgeschichte basiert auf einem meiner Action-Träume, in denen ich immer Szenarien aus billigen Actionfilmen und scheußlichen Horrorfilmen überleben muss. Oder ich wache auf.)

Fleisch

Mmmh, blutig.

Rumpsteak, blutig.

Ein 600-Gramm-Rumpsteak, von der Flamme geküsst und extrem blutig, so zubereitet wie mein Au-Pair-Papa es mir beigebracht hat. Mit Hagelsalz bestreichen und ab aufs Feuer.

Und im Hintergrund mein aktuelles Lieblingsbier: Bellheimer Edel-Export

Kurzgeschichten

In der Vergangenheit war ich als Schriftsteller sehr fixiert auf lange Erzählungen. Selbst die eine nennenswerte Kurzgeschichte, die ich schrieb und die man auf meiner Website findet, hat eine epische Erzählweise und könnte mit ein paar zusätzlichen Einfällen mehrere Bände füllen.

Mit dem Beginn eines neuen Lebensabschnittes, nach meinem Sabbatical, das ich einlegte um neue Wege zu finden, um zu Reisen, mich Weiterzuentwickeln und Eindrücke zu sammeln, arbeite ich jetzt für den Broterwerb im Verkauf eines mittelständischen Computerhändlers. Dort kann ich all meine Stärken einsetzen und mich voranbringen.

Nebenbei werde ich meine kreative Schaffenskraft auf die angestaubten Projekte richten, die mich seit Monaten und zum Teil Jahren jucken wie ein Mückenstich zwischen den Schulterblättern.

Wo man nicht hinkommt. Arrgh!

Ich habe festgestellt, ich brauche eine klare Zielsetzung um die Ruhe zum Schreiben zu haben. Gegenwärtig stecken ein Kinderbuch und zwei Thriller in meiner Pipeline, an denen ich nur schleppend voran kam.

Kurzgeschichten will ich auch verfassen und hier veröffentlichen. Die erste wird heute im Entwurf beendet und landet dann umgehend hier.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.